
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Familie und Unternehmen:
In der Familie ist die Zugehörigkeit vorgegeben und fix,
im Unternehmen veränderbar. Sie ist die Voraussetzung für Loyalität und Identifikation mit dem Firmenleitbild.
Die Rangfolge ist in der Familie ebenfalls vorgegeben: Ältere kommen vor Jüngeren, Eltern vor den Kindern, Erstgeborene vor den Folgenden. Die Hierarchie ist zeitlich definiert und fix.
Im Unternehmen gibt es einen Vorrang der zeitlichen Zugehörigkeit (Eintrittsdatum), einen Vorrang der höheren Position und einen Vorrang der Leistung.
Stimmt hier die Ordnung, hat das sehr gute Auswirkungen auf die Disziplin und die Motivation aller Beteiligten.
Der Ausgleich (Geben und Nehmen) definiert sich in der Familie über Fürsorge, Liebe und Dankbarkeit. Wenn im Unternehmen nur Lohn und Leistung „gegenverrechnet“, wird und die Anerkennung fehlt, nützt auch das entsprechende Gehalt auf Dauer wenig, um Selbstwert und Zufriedenheit der Beteiligten zu gewährleisten.
Ein Beispiel:
Passiert es nun, dass der Erstgeborene beruflich zuerst etwas anderes macht und der Zweitgeborene inzwischen die Firma von den Eltern übernimmt und sein älterer Bruder dann später in eine untergeordnete Position einsteigt, kann es sein, dass der Ältere dann dem Jüngeren erklärt, wie es geht oder Entscheidungen des Jüngeren boykottiert oder sich beschwert, zuwenig zu verdienen.
Oder:
Übergeben die Eltern den Betrieb ihrem Sohn (ihrer Tochter), kann es sein, dass sie sich immer noch in wichtige Angelegenheiten einmischen, den Angestellten Anweisungen erteilen und schlimmstenfalls Entscheidungen des aktuellen Chefs vor anderen kritisieren.
In diesen Fällen ist die Lösung nicht auf der offensichtlichen (sichtbaren) Ebene zu finden, sondern auf der ihr übergeordneten:
Die scheinbare Unzufriedenheit des älteren Bruders, zu wenig zu verdienen (Ausgleich), lässt sich nicht durch mehr Geld lösen, sondern durch die Würdigung seiner Kompetenz (Ordnung) durch den Chef, der in dem Fall der jüngere Bruder ist.
Die Einmischung der Eltern lässt sich nicht lösen, indem man sie von der Firma fernhält (Zugehörigkeit), sondern im Anerkennen ihrer Verdienste, indem ihnen der Nachfolger auch vor den anderen dankt und sie von Zeit zu Zeit um Rat fragt. (Ausgleich). Nicht umsonst hatte man früher die Porträts der Ahnen und/oder Vorgänger für alle sichtbar in einem zentralen Raum plaziert.
Aufstellungen sind ein lösungsorientiertes Vorgehen, indem man fragt: “Was nützt?“ und den Konflikt in einem größeren Zusammenhang sieht, in dem sich oft die Lösung wie von selbst anbietet. Zu viel Aufmerksamkeit den Problembeschreibungen zu widmen, kann zu einer problemerhaltenden Dynamik führen.
“Leiden ist leichter als lösen“ (Bert Hellinger)
Wenn wir aus Gewohnheit das vergangene Schlimme als inzwischen gewohnte Ordnung erleben, verstellen wir uns den Blick auf neue Möglichkeiten.
Zum Abschluss eine kleine Geschichte von Bert Hellinger:
“Die Verblendung“
Ein Zirkus erwarb einen Eisbären. Doch da sie ihn nur zum Ausstellen brauchten, wurde er in einen Wagen gesperrt. Der war so eng, dass er sich darin nicht einmal umdrehen konnte – und so ging er immer nur zwei Schritte vor und zwei zurück. Nach vielen Jahren hatten sie Mitleid mit dem Eisbären und verkauften ihn an einen Zoo.
Dort fand er ein weites Gehege zum Auslauf. Doch auch hier ging er immer nur zwei Schritte vor und zwei zurück. Als ihn deshalb ein anderer Eisbär fragte:“ Warum tust du das?“ gab er zur Antwort: “Das kommt daher, weil ich so lange in einem engen Wagen eingesperrt war.“